
Der Begriff "Kara", wie er in dem von Meister Funakoshi gewählten Schriftzeichen für Karate verwendet wird, bedeutet "leer".
Bereits auf Okinawa wurde dafür ein Schriftzeichen (To) verwendet, das "Kara" ausgesprochen wurde, jedoch "fremd", "chinesisch" bedeutete. Diese Bedeutung leitet sich von seiner Verwendung im Chinesischen ab, wo es ein Zeichen für die "T'ang-Dynastie (618 – 907 n.Chr.) war und als solches in Okinawa (in den Begriff Tode) übernommen wurde. Meister Funakoshi änderte später in Japan das Schriftzeichen in seine heutige Bedeutung um.
Die erste Bedeutung von Kara zeigt an, dass Karate eine Technik ("Te" bedeutet im Okinawanischen "Technik" und im Japanischen "Hand") ist, durch die man sich ohne Waffen (mit leeren Händen) verteidigen kann.
Im philosophischen Sinn (spätere Interpretation in Japan) verweist es darauf, dass sich der Karateschüler von allen egoistischen und selbstsüchtigen Gedanken "leer" machen muss, da er nur mit klarem Geist und reinem Gewissen die Lehre verstehen kann, die er empfängt.
Das bedeutet, dass derjenige, der Karate-Do übt, immer danach streben muss, innerlich bescheiden und nach außen hin sanft zu sein. Gleichzeitig muß er seinen einmal gefassten Entschluss mit Mut durchsetzen. So ist er, mit Funakoshis Worten gesprochen, wie der "grüne Bambusstab; innen hohl (Kara), aufrecht und mit Knoten, d.h. selbstlos, sanft und gemäßigt". Im japanischen Denken ist hohl oder leer ein Synonym für Selbstlosigkeit, Geradheit steht für Gehorsam und Sanftheit und Knoten für Charakterstärke und Gemäßigtheit.
In einer ganz grundlegenden Weise ist schließlich auch die Form des Universums Leere (Kara), und so ist Leere die Form selbst. "Form ist Leere, und Leere ist Form selbst". Dies ist die Bedeutung des "Kara" aus "Karate-Do" und zugleich Maßstab für jeden Schüler, der die Kunst erlernen will. |